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Über das Zeitreisen
 
Den größten Fehler den die meisten Touristen bei Zeitreisen machen ist, dass sie sich den Zeitreisevertrag nie vorher durchlesen, oder sich im jeweiligen Zeitreisebüro nicht ordentlich beraten lassen. Ähnlich den Leuten, die bei Flugreisen immer gelangweilt wegschauen, wenn das Bordpersonal die Schwimmwesten erklärt, dann aber am lautesten in Panik geraten, wenn diese endlich zum Einsatz kommen.
Im Vertrag steht nämlich, wenn auch ziemlich klein gedruckt, dazu noch in einem Nebensatz und auch der wurde erst auf der letzten Seite irgendwo dazwischen geschoben:

Bitte beachten Sie, dass wenn Sie die Zeitmaschine am Zielort verlassen,
Sie jegliche Erinnerung an die Zukunft verlieren.

Die Illusion, mit dem heutigen Wissensstand in die Vergangenheit eingreifen zu können um die Zukunft zu ändern, verpufft also spätestens bei der Ankunft in der jeweiligen Zeitzone. Daher liest man auch heutzutage nur sehr wenige Reiseberichte von zurückkehrenden Urlaubern. Die Ursache liegt ganz einfach darin, dass sie sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern können.
Wer sich in Geschichte etwas auskennt weiß, dass es der griechischen Mythologie nach, bisher nur der Göttin Cassandra als einzige gelungen war, sich ihr Wissen um die Zukunft bei der Zeitreise, durch einen neckischen Trick zu bewahren. Genutzt hat es ihr indes wenig und sie musste sich Zeit ihres Lebens fürchterlich darüber ärgern. Das ganze endete schließlich in einem Jahrhunderte lang andauernden Rechtsstreit mit dem Zeitreiseveranstalter, wobei eine Einigung bis heute nicht erzielt wurde. Hierdurch bedingt, konnten mehrere Generationen von Anwälten, bis in die heutige Zeit hinein, ein lukratives Einkommen erwirtschaften. Es gilt in Expertenkreisen auch als Hauptgrund dafür, dass es derzeit überhaupt so viele Anwälte gibt. Andere gehen sogar soweit, die gesamte griechische Staatsverschuldung auf dieses Ereignis zurückzuführen. Doch das sind nur halbseidene Informationen irgendwelcher Verschwörungstheoretiker. Der Trick selbst blieb jedoch bis zu ihrem Tod, dem sie komischerweise auch nicht durch ihr Wissen darum entgehen konnte, ihr Geheimnis.
Und das ist auch gut so!
Denn ansonsten würde es in unserer Welt noch viel chaotischer zugehen, als dies sowieso bereits der Fall ist. Wenn jeder die Vergangenheit mit seinem Wissen um die Zukunft ändern könnte, würde allein der Versuch schon scheitern, da mit höchster Wahrscheinlichkeit, die Zukunft bereits im Moment der Abreise, bereits von wem anders nach dessen Vorstellungen verändert worden wäre. Wenn man also Pech hat, ist man daher vielleicht selber in dieser Zukunft (also dessen neu gestalteter Gegenwart) gar nicht mehr existent ist. Funktionieren würde das ganze erst, wenn es der Wissenschaft gelänge, hierfür entsprechende Paralleluniversen zu schaffen. Doch hier steckt die Forschung noch in den Kinderschuhen. Bisherige Erfolge hierbei, basieren nur auf rein virtuellen Erlebniswelten im digitalen Raum, der sich - Eltern wissen das - meist im Kinderzimmer befindet.
 
Daher ist es bei Zeitreisen das Beste, sich gar nicht erst mit der Manipulation der Vergangenheit zu beschäftigen. Selbst bekritzelte Zettel, auf denen man sich die Zukunft aufgeschrieben hat, sind bei der Ankunft in der Vergangenheit immer weiß und unbenutzt, meist sogar ganz verschwunden. Dies liegt daran, dass es naturgesetzlich nicht möglich ist, Materie in eine andere Zeit zu transportieren, da die Masse des Universums zu jedem existenten Zeitpunkt identisch sein muss (hierbei spricht man vom sogenannten Materie-Paradoxon). Dies betrifft natürlich auch den eigenen Körper, den man üblicherweise mit sich herumträgt, was wiederum dazu führt, dass man in der Vergangenheit mit seinem damaligen Ich verschmilzt. Womit auch gleich die Gefahr ausgeschlossen ist, sich in der Vergangenheit selbst zu begegnen.
Auch die gewünschte Ankunftszeit und den Ort, sollte man sich vorher genau überlegen. Denn man kommt ohne entsprechende Vorbereitungen, dort völlig unbekleidet an, da die Sachen die man an hat, zu dem Zeitpunkt der zeitlichen Einreise, meist noch gar nicht hergestellt wurden. So empfiehlt es sich beispielsweise, sein eigenes Schlafzimmer während der Schlafenszeit, zum Wiedereintritt in die eigene Vergangenheit aufzusuchen, wenn man nicht gleich im ersten Moment seiner Ankunft, als Exhibitionist verhaftet werden möchte. Wer sich mit Action-Filmen auskennt weiß, dass selbst der TERMINATOR vor diesem Problem stand, und den akuten Bekleidungsnotstand, nur durch massiven Gewalteinsatz in den Griff bekam. Von dieser Vorgehensweise ist jedoch Normal-sterblichen dringend abzuraten.
Auch gut geeignet sind Momente, in denen man in der Badewanne liegt, da man den Zeiteintritt dort am allerwenigsten störend empfindet. Hielten sie bisher Mitmenschen für "schrullig", "besessen" oder gar "nicht ganz dicht", nur weil diese penibel in ihrem Kalender Buch darüber führen, wann sie ein Bad genommen hatten? Sie werden sich einem völlig neuen Blick der Situation stellen müssen, wenn Sie sich zukünftig ernsthaft mit dem Gedanken tragen, eine Zeitreise in die Vergangenheit anzutreten. Fangen Sie daher am besten heute noch an, sich Ihre Badezeiten genauestens zu notieren. Denn das macht die exakte Auswahl eines geeigneten Rückreisezeitpunkts in der Zukunft um ein vielfaches einfacher.
 
Ich persönlich bin sogar noch einen Schritt weiter gegangen und habe hier immer noch ein paar alte Anziehsachen aus dem Jahr 1993 herumliegen, sodass mir der Einstieg zu fast jeder vergangenen Gelegenheit möglich ist. Werfen Sie daher auch Ihre gebrauchten Anziehsachen nie weg! Besonders nicht an einem Tag, von dem sie am Ende sagen, dass er einer "der schönsten Ihres bisherigen Lebens" war. Für den Fall, dass Sie die Reise im späteren Leben dann doch nicht mehr antreten, bleiben Sie damit immerhin noch ein gern gesehener Gast auf jeder Retroparty - sowas ist immer modern, zumindest in den Kreisen, in denen ich mich herumzutreiben pflege.
Keinen Sinn macht es hingegen, sich kurz vor Reiseantritt in einem Second Hand Shop mit den nötigen Kleidungsstücken jener Zeit auszustatten. Diese wechseln dann nämlich nach dem Zeitübergang auch wieder zu ihrem ursprünglichen Besitzer, und man hat einfach nur sein Geld aus dem Fenster geworfen und muss sich erneut mit der Polizei herumschlagen. Auch hier zeichnet sich das bereits erwähnte Materie-Paradoxon verantwortlich, und liefert die Erklärung dafür, dass man seine Anziehsachen beim Zeitsprung nie anbehält. Es sei denn man besaß diese bereits zu dieser Zeit, und hat sie sich für den Tag des Reiseantritts aufbewahrt.

Überhaupt sei dem Zeitreisenden empfohlen, sich grundsätzlich nur einen Ort und eine Zeit auszuwählen (der kundige Zeittourist weiß, dass Raum und Zeit bei dieser Reise für einen kurzen Moment ineinander übergehen, und wer nicht seine Reiseapotheke parat hat, dem kann es dabei richtig schlecht werden), an dem er bereits selbst einmal im Leben gewesen war.
"Das sei ja langweilig" oder gar "spießig" höre ich immer sagen, fast so wie jedes Jahr denselben Strandurlaub zu buchen. Doch viele verkennen dabei das eigentliche Problem: Ist man in der Vergangenheit erst mal an einem Ort gelandet, wo man weder Leute noch die Umgebung kennt, wird man automatisch nur Zuschauer der jeweiligen Epoche, ohne jemals wirklich Teil der sozialen und räumlichen Umgebung zu werden. Vom materiellen Verlust seines eigenen Körpers einmal ganz abgesehen. Denn wie bereits erwähnt, verschmilzt man mit seinem eigenen Ich in der Vergangenheit und da ist es von Vorteil, wenn man sich dort einen Ankunftspunkt ausgesucht hat, an man bereits selbst existierte. Zeitreisetermine die vor der eigenen Geburt angesiedelt werden, machen also weit weniger Spaß, als man gemeinhin glauben mag. Genau genommen vertrödelt man nur wahnsinnig viel Zeit damit, seine eigene Niederkunft abzuwarten. Von Zeitreiseveranstaltern, die für diese außerkörperliche Wahrnehmung sogar noch eine Extragebühr verlangen, ist dringend abzuraten. Ebenso von denen, die mit dem Konterfei oder dem Namen der ehemaligen Göttin Cassandra werben und das falsche Versprechen geben, das Zeitreisen das eigene Bewusstsein verändern. Hier sind Sie bei jedem herkömmlichen Straßendealer besser beraten, meist auch noch dazu weitaus günstiger.

Die erfahrenen Zeittouristen reisen daher immer in jenen Teil der Zeit, in dem sie sich bereits gut auskennen und der ihnen rückblickend immer angenehm in Erinnerung geblieben war. Sollten Sie also einmal im Leben nicht ganz sicher sein, ob Sie sich gerade im realen Leben, oder auf einer Zeitreise befinden, gibt es vier gute Möglichkeiten, dies heraus zu finden:

1.    Warten Sie einfach das nächste Ihnen über den Weg laufende Deja vú ab - wenn sie kurz darauf wissen, was gleich als Nächstes passieren wird, befinden Sie sich höchstwahrscheinlich in Ihrer eigenen Vergangenheit und können sich somit glücklich schätzen, noch eine Zukunft zu erleben, in der sie sich Reisen in Ihre eigene Vergangenheit leisten können.

2.    Ein weiterer untrüglicher Hinweis ist es, wenn Sie morgens nackt in Ihrem Bett aufwachen, obwohl Sie sich sicher waren, es gestern noch im Schlafanzug betreten zu haben.

3.    Machen Sie in der Badewanne einmal die Augen zu und versuchen Sie sich dabei an die exakte Position aller Dinge, die Sie in Ihrem Badezimmer so haben, zu erinnern. Wenn Sie beim öffnen der Augen glauben zu wissen, dass sich auch nur eins davon nicht mehr genau an der vorherigen Stelle befindet, ist dies auch meist ein Indiz dafür, dass Sie gerade in Ihrer eigenen Vergangenheit angekommen sind. (Die wissenschaftliche Erklärung hierfür ist, das leichte Gravitationswellen beim Wiedereintritt in die Vergangenheit, die Dinge um einen herum ein wenig durcheinander bringen).

4.    Sie werden als Exhibitionist verhaftet und wissen nicht warum.

Auf diese Punkte sollten sie daher von "Zeit zu Zeit" immer einmal achten, denn einen Haken hat der Zeittourismus am Ende schließlich doch: Sollten Sie sich zu einer Zeitreise entscheiden, wissen aber nicht um den Umstand, dass Sie das bereits sind, kann dies schwerwiegende Folgen für Ihre geistige Gesundheit haben. Schizophrenie bis hin zur völligen Lobotomisierung Ihres Verstandes können hierbei die Folgen sein. In den meisten Fällen kommen Sie jedoch mit einem schweren Kater davon.

Das Geschäft mit Reisen in die Zukunft hat sich als Geschäftsmodell bisher allerdings noch nicht sonderlich bewährt. Denn auch dort landet man in jenem Teil seiner eigenen Geschichte, an dem man ohnehin im Leben früher oder später angekommen wäre, so man just am heutigen Tage die Zeitreise nicht angetreten hätte. Man ist dann zwar automatisch um einige Lebensjahre erfahrener, aber ebenso auch älter, was die Sache für viele nicht einfacher macht - insbesondere für jene, die einen Zeitpunkt auswählen, von dem sie selbst nicht wissen (können), dass sie da schon längst Tot sein werden. Daher ist grundsätzlich von Reisen in die Zukunft abzuraten, zumal auch hier eine Rückfahrt nicht möglich ist. Um Zeitreisebüros, die diesen Service kostengünstig immer wieder anbieten, sollten Sie einen weiten Bogen machen, denn sie gelten als hochgradig unseriös. Wählen Sie daher nur vertraute Reiseagenturen aus, um sich enormen Ärger zu ersparen. Denn wie auch im Falle der Göttin Cassandra, ist die Rechtslage hier noch mehr als unausgereift und es wird noch einige weitere Generationen von Anwälten benötigen, hier rechtsverbindliche und internationale Standards festzuschreiben.
 
Der genaue technische Ablauf einer Zeitreise ist übrigens eins der am besten gehütetsten Betriebsgeheimnisse der gesamten Industriegeschichte überhaupt. Selbst Marsroboter und das Colarezept sind dagegen absolute Leichtgewichte. Da ich selbst auch einmal vorhaben werde, eine Zeitreise gemacht zu haben, fuhr ich in einigen Jahren mal zur Tourismusmesse nach Berlin, um mich dort etwas Genauer darüber zu informieren. Ein freundlicher Mitarbeiter, den ich dann am Stand eines der vielen Zeitmaschinenhersteller befragen werde, hat gesagt, dass hierbei kurzfristig der Raum zu einem Paralleluniversum geöffnet wird, welches wenige Momente später (oder früher) mit der real existierenden Welt verschmolzen wird. Er veranschaulichte mir dies dabei mit der damaligen BRD und der heutigen DDR, welche einen ähnlichen Prozess erleben werden. Dieser Vergleich wird in mir zum damaligen Zeitpunkt zwar mehr Abscheu als Zustimmung erregen und so wird es noch einige Jahre gedauert haben, bis ich meine erste Zeitreisen gemacht haben werde.
 
Seien sie also versichert, dass Sie den höchsten Genuss Ihrer Reise nur dann erleben werden, wenn Sie auch Teil Ihrer eigenen Geschichte sind und einfach nur vorhaben, alles nochmal zu erleben. Sagen Sie sich also los von dem Wunsch, Ihr Leben dadurch verändern zu wollen. Sie werden merken, wie entspannend es sein kann, sich an all die vielen Kleinigkeiten und die Lebensgefühle zu erinnern, die man heute schon vergessen hat.
Mir persönlich hat sich zum Beispiel ein Erlebnis mit einer Tomate in das Gedächtnis gebrannt, deren Schicksal ich seinerzeit in einem WG-Kühlschrank eines besetzten Hauses, aus den Augen verloren habe. Aus irgendeinem Grund, hatte wohl keiner Appetit auf sie, was an sich schon erstaunlich genug war, da Wohngemeinschaftskühlschränke in besetzten Häusern grundsätzlich leer zu sein hatten. Dies war dem Umstand zuzuschreiben, dass der Hunger dort, insbesondere aufgrund des massiven Drogenkonsums, allgegenwärtig war. Noch ungewöhnlicher war es sogar, in einem besetzten Haus überhaupt einen Kühlschrank vorzufinden, doch das lenkt jetzt zu weit vom eigentlichen Thema ab.
Die Tomate also wurde nicht gegessen, besaß aber die seltsame Eigenschaft, auch ihr Äußeres nicht zu verändern. Nach mehreren Wochen, die sie da im Kühlschrank so vor sich rum lag, wollte sie auch schließlich niemand mehr essen. Aber wie das nun mal in diesem sozialen Umfeld so üblich war, fühlte sich auch niemand dazu berufen, sie wegzuwerfen. Der Kühlschrank wurde eines Tages vom Stromnetz genommen, und dadurch seiner vom Hersteller vorgesehenen Hauptfunktion beraubt, was jedoch weiterhin an der Tomate spurlos vorbei zu gehen schien. Und als eines Tages der Kühlschrank schließlich mit Paketklebeband versiegelt wurde, weil natürlich immer mal jemand die Tür, auf der Suche nach etwas essbaren (außer der Tomate) aufmachte, wodurch sich ein bestialischer Gestank im Raum breit machte, verlor sich die Erinnerung an sie. Ihr weiterer Werdegang, und ob sie sich eines Tages in der Dunkelheit des Kühlschrankes vielleicht doch noch dazu hatte hinreißen lassen, der Verrottung anheim zu fallen, wird für mich ein ewiges Mysterium bleiben ... oder auch nicht. Vielleicht werde ich daher eines Tages einmal in diese Zeit zurück reisen (ich glaube es war das Jahr 1985), um diesmal noch ein wenig länger in dieser düsteren Wohngemeinschaft ohne Licht und Strom zu verweilen, und um letztlich Gewissheit über das endgültige Schicksal der Tomate zu erlangen.
Wenn ich also an dieser Stelle einen Reisetipp abgeben darf, so empfehle ich jedem, doch mal wieder im Jahre 1993 vorbei zu schauen. Ich persönlich habe hierfür das niedersächsische Kleinod Hannover gewählt, doch auch jede andere Stadt, mit Ausnahme vielleicht von Clausthal-Zellerfeld, mag hierfür geeignet erscheinen. Für diejenigen die sich trotzdem in diese Epoche, ohne das entsprechende Hintergrundwissen oder die dafür nötige Lebenserfahrung, begeben wollen, möchte ich allerdings einige Warnungen aussprechen:
Das Leben dort war hart und nahezu unmenschlich. So etwas wie ein mobiles Internet gab es nicht, und nur wenige verfügten überhaupt über einen Computer. Damit war es zu jener Zeit die größte multimediale Attraktion, sich mittels eines im Stundentakt wechselnden Fotos, über den unterschiedlichen Kaffeemaschineninhalt in einer Universität von Michigan zu informieren. Die Mobilfunktelefonie steckte noch in den Kinderschuhen und die meisten Gespräche drehten sich nur darum, ob man sich auf der jeweils anderen Seite der Leitung auch gut hören konnte. Die Menschen mussten zur Orientierung Landkarten ausfalten, die manchmal die Größe des dargestellten Ortes selbst überstiegen, und es gab noch fünfstellige Postleitzahlen. Selbst der Euro benötigte noch acht lange Jahre bis zu seiner Markteinführung und es gab immer noch Fernsehsender, die ab Mitternacht ein Testbild sendeten. Im Land grassierte die Kohl-Ära, alle Bananen waren ausverkauft und man hatte den Mauerfall mit erlebt. Was nicht heißt, dass man ihn auch begrüßte, denn sämtliche möglichen Optionen die Zukunft anders zu gestalten, wurden dem jahrzehntelangem Wunschtraum der deutschen Wiedervereinigung geopfert.
Doch gemessen an den Vorteilen, lassen sich diese Risiken billigend in Kauf nehmen - diese sind schnell erzählt: Die Musik war einfach besser, die Telefone klingelten meist noch ausschließlich zuhause, die Läden waren schmuddeliger und überall hatte man noch das Gefühl, dass sich bald alles zum Guten entwickeln würde. Außerdem waren Zeitreisebüros noch nicht so derart verbreitet wie heute und wenn, dann waren sie unheimlich teuer. Einzig in Bezug auf die Tatsache, dass man damals noch nicht als rücksichtsloser Schwerverbrecher galt, wenn man sich in Kneipen oder Lokalen eine Zigarette anzündete, gehen die Meinungen über Vor- und Nachteile dieser Zeit deutlich auseinander. So deutlich etwa, wie man hierbei zwischen den jeweiligen Befürworten und Kritikern, die Raucher- und Nichtraucher auseinanderhalten kann. Wer allerdings eine längere Erklärung und Aufzählung der Vor- und Nachteile bevorzugt, ist mit dem Lesen dieses Romans gut beraten.

Am Ende hat mich dieser Roman im nächsten Jahr fürchterlich reich gemacht, wodurch es mir bereits heute möglich ist, weitere Zeitreisen zu unternehmen. Allen Lesern empfehle ich, doch auch einmal wieder so einen Trip zu unternehmen. Ein wirklich gutes Zeitreisebüro befindet sich übrigens in der Limmerstraße im Hannoverschen Stadtteil Linden. Wer weiß, vielleicht treffen wir uns dort ja einmal, ich war bereits zwei Male dort, im Jahr 1993 BEI JACQUELINE.

(Nachtrag: Damit sich diejenigen, die mit dieser Zeit nicht so vertraut sind, auch in dieser bewegten Vergangenheit zurecht finden, enthält dieses Buch am Ende ein kleines Glossar. Dort werden kurz wichtige Dinge und Ereignisse beschrieben, die es entweder heute nicht mehr gibt, oder die für die damalige Zeit, oder die Geschichte selbst von Relevanz sind
Aus Urheberrechtsgründen ist es leider nicht möglich, in diesem Roman Liedertexte zu zitieren.
Für die musikalische Rahmenbegleitung zum Roman, empfiehlt es sich daher, die einzelnen Stücke im Internet anzuhören ... einer der Vorteile gegenüber 1993, die einem das 21. Jahrhundert so bietet. Folgen sie daher den [x]-Markierungen im Text. Die Verweise zu den Titeln finden Sie  im Anhang.)

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